Der Laborbericht für den neuen Jahrgang ist da. Der Alkohol liegt bei 13,5 Prozent, im Vorjahr waren es 13. Der Restzucker ist leicht gestiegen. Du trägst die neuen Werte ins E-Label ein, weil sie dort stimmen müssen. Damit ist der Wein an einer von acht Stellen richtig beschrieben.
Die anderen sieben Stellen kennst du gut. Ein Restaurant hat im Frühjahr ein technisches Datenblatt für seine Weinkarte angefragt, und du hast ihm ein PDF geschickt. Dein Importeur arbeitet mit seiner eigenen Tabelle, die du jedes Jahr neu ausfüllst. Die Preisliste für den Handel liegt als Datei auf deinem Rechner. Im Verkostungsraum stehen gedruckte Karten auf dem Tresen. Auf Instagram steht noch der Post zum letzten Jahrgang. Dazu kommen deine Website und dein Shop.
Für Website und Shop haben wir beschrieben, wie du deine Weindaten direkt auf deiner Website einbindest. In diesem Beitrag geht es um die anderen Stellen. Preisliste, Verkostungskarten und Instagram pflegst du selbst. Das Restaurant und der Importeur arbeiten mit Kopien, die du ihnen geschickt hast.
Wo laufen deine Weindaten auseinander?
Deine Weindaten laufen überall dort auseinander, wo jemand sie abtippt. Meist sind es das Datenblatt für Restaurants, die Tabelle des Importeurs, die Preisliste für den Handel, die Karte im Verkostungsraum und deine Texte auf Instagram. Jede dieser Kopien entsteht einmal. Danach fasst sie kaum jemand an. Ändert sich der Jahrgang, bleibt sie stehen.
Das Restaurant druckt seine Weinkarte für ein halbes Jahr. Es übernimmt deine Verkostungsnotiz und den Alkohol aus dem PDF vom März. Im Juni schenkt es schon den neuen Jahrgang aus. Auf der Karte stehen die alten Werte.
Beim Importeur sieht es ähnlich aus. Seine Tabelle hat eigene Spalten, die du sonst nirgends pflegst. Du füllst sie einmal im Jahr aus und schickst sie zurück. Was danach mit den Daten passiert, siehst du nicht mehr. Sie gehen weiter in den Handel und in Onlineshops, mit dem Stand vom Tag deiner E-Mail.
Die Preisliste fasst du am häufigsten an. Trotzdem steht dort oft noch der alte Jahrgang. Die Datei hast du vor Jahren gebaut, und bei jeder Änderung verrutscht die Formatierung. Also änderst du nur den Preis und lässt den Rest stehen.
Die Karten im Verkostungsraum sind veraltet, sobald du einen Jahrgang wechselst. Nachdrucken kostet Zeit. Deshalb bleiben sie oft ein paar Wochen länger liegen, als sie sollten.
Auf Instagram schreibst du die Geschichte eines Weins jedes Mal neu. Das gehört dazu und macht deine Posts persönlich. Die Fakten darin stammen aber oft aus dem letzten Post und damit aus dem letzten Jahrgang.
Jede dieser Kopien war an dem Tag richtig, an dem du sie erstellt hast.
Warum stimmen die Kopien nie lange?
Jede Kopie hat ihr eigenes Format. Einige pflegst du selbst, andere liegen beim Restaurant oder Importeur. Die Änderung kommt an genau einer Stelle an, meist mit dem Laborbericht. Von dort muss sie von Hand an sieben weitere Stellen übertragen werden. Das kostet Zeit, besonders in den Wochen nach der Abfüllung, wenn alles gleichzeitig passiert.
Dazu kommt, dass du oft nicht weißt, wo überall Kopien liegen. Das Restaurant hat dein PDF an seine Weinhandlung weitergeleitet. Der Importeur hat deine Tabelle in sein System übernommen. Eine Kopie, von der du nichts weißt, kannst du auch nicht korrigieren.
Die Folgen sind klein und ärgerlich. Ein Gast liest auf der Weinkarte einen Alkoholwert, der nicht mehr stimmt. Ein Onlineshop zeigt die Verkostungsnotiz des Vorjahres. Du merkst es meist erst, wenn jemand nachfragt.
Beim E-Label passiert dir das selten. Dort stehen Pflichtangaben, also prüfst du sie genau. Das E-Label ist damit die Kopie, die bei dir am ehesten stimmt.
Was hilft gegen das Auseinanderlaufen?
Es hilft, die Fakten zu einem Wein nur einmal einzugeben. Am besten dort, wo du sie am genauesten prüfst. Die anderen Stellen lesen diesen Datensatz direkt. Ändert sich der Jahrgang, änderst du ihn einmal. Wer ihn liest, sieht sofort den neuen Stand.
Der erste Schritt ist eine andere Reihenfolge. Du pflegst einen Datensatz pro Wein und Jahrgang. Wer deine Daten braucht, bekommt einen Link oder einen Zugang zu diesem Datensatz. Ein PDF erstellst du nur noch, wenn jemand ausdrücklich eines verlangt.
Das funktioniert nur, wenn der Datensatz verlässlich ist. Er muss vom Weingut selbst kommen und geprüft sein. Und er muss so offen sein, dass andere Systeme ihn lesen können.
Wo liegt dieser Datensatz bei dir schon?
Bei vielen Weingütern liegt er schon im E-Label. Seit dem 8. Dezember 2023 verlangt die Verordnung (EU) 2021/2117 Zutaten und Nährwerte für Weine, die ab diesem Datum erzeugt wurden. Weine, die vor diesem Datum erzeugt wurden, dürfen nach den alten Regeln bis zum Abverkauf verkauft werden. Späteres Abfüllen oder Etikettieren ändert daran nichts. Wenn du das digital löst, gibst du diese Angaben für jeden Jahrgang im E-Label ein und prüfst sie genau. Damit hast du die Arbeit schon gemacht.
Ich habe Glasswise gebaut, weil ich aus einer komplizierten Pflicht etwas machen wollte, das dem Weingut nützt. Die Daten, die du für das E-Label genau prüfst, sind dafür das beste Beispiel.
In Glasswise legst du Weingut, Wein und Jahrgang einmal an. Die Angaben kommen direkt von dir. Aus diesem Datensatz entsteht dein E-Label. Aus denselben Daten entsteht das Wein-Stammdatenblatt. Das ist ein Link, den du an ein Restaurant, einen Importeur oder den Handel schickst. Wer ihn öffnet, sieht immer die aktuelle Version. Du kannst die Datenblätter auch im Verkostungsraum auf einem Tablet zeigen. Wie das aussieht, steht auf der Seite Datenblätter und öffentliche Anzeigen.
Deine eigenen Systeme lesen und schreiben deine Weindaten über die API. So bleiben Shop, Website oder Warenwirtschaft auf dem gleichen Stand, und niemand tippt eine Nährwerttabelle ab. Für KI-Assistenten gibt es außerdem einen MCP-Server, derzeit in Beta mit ausgewählten Nutzer:innen. Damit kann ein Assistent deine Weine nachschlagen und auf Basis deiner Daten antworten. Beides findest du unter Integrationen.
Den Text für Instagram schreibst du weiterhin selbst. Die Fakten dafür holst du dir aus dem Datensatz.
Bleiben deine Daten dabei offen?
Ja. Dein E-Label löst über GS1 Digital Link auf. Das ist ein offener Standard, den auch andere Systeme lesen können. Über die API kommst du jederzeit an deine Weindaten heran. Der Datensatz gehört dir.
Ein Datensatz, den nur ein einziges Programm lesen kann, wäre nur eine weitere Kopie. Warum der offene Standard beim E-Label so wichtig ist, steht im Beitrag woran du einen professionellen E-Label-Anbieter erkennst.
GS1 Digital Link taucht auch in der Debatte um den digitalen Produktpass der EU auf. Für Wein gilt dieser Pass nicht. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Ist das Wein-E-Label ein Digital Product Passport?
Wie fängst du an?
Nimm dir einen Wein und den letzten Laborbericht. Leg alles daneben, was diesen Wein beschreibt: das Datenblatt für das Restaurant, die Tabelle des Importeurs, die Preisliste, die Karte im Verkostungsraum und deinen letzten Post. Zähl die Abweichungen. Dann weißt du, wo du anfangen musst.
Wenn du deine E-Labels mit Glasswise erstellst, hast du den Datensatz bereits. Beim nächsten Jahrgang änderst du die Werte zuerst dort. Dem Restaurant, dem Importeur und dem Handel schickst du den Link zum Datenblatt. Die Karten im Verkostungsraum ersetzt du durch das Tablet.
Schreib mir, an welchen Stellen deine Weindaten am weitesten auseinanderliegen: david@glasswise.eu. Wir schauen uns das gemeinsam an und klären, welche davon du an deinen Datensatz anbinden kannst.